Home / Ratgeber / 28 August 2017 / Bestattung & Todesfall

BUDDHISMUS - BESTATTUNGSRITUALE & TRAUERRITEN in JAPAN

Traditionelle Bestattungen in Japan unterscheiden sich stark von deutschen Beerdigungen. Sie sind sehr aufwendig und laufen streng nach alten, buddhistischen Regeln ab.

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Stilvolle Grabsteine - Author Franziska Blüm
Buddha Figur | Bildquelle: © Alexis - Pixabay.com

Buddha Figur | Bildquelle: © Alexis – Pixabay.com

 

Klassische Einzelgrabsteine, wie sie auf deutschen Friedhöfen oft zu finden sind, sind in Japan nur selten zu sehen. Üblich ist es, dass ein Familiengrabstein für die gesamte Familie verwendet wird. Allgemein werden die meisten Japaner, genauer gesagt 95%, nach ihrem Tod eingeäschert und in einer Urne beigesetzt. Dies geschieht meist rasch, da der Tod im Buddhismus stark mit der Vorstellung von ritueller Verunreinigung verbunden ist.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige zum Ablauf einer buddhistischen Bestattung in Japan. Sollten Sie sich auch für Bestattungsritualien im Hinduismus, Judentum oder Islam interessieren, schauen Sie gerne in unserem Ratgeber vorbei. Hier finden Sie auch alle nützlichen Informationen zu den verschiedenen Bestattungsarten in Deutschland und deren Kosten.

 

 

 

Einäscherung im buddhistischen Krematorium | Bildquelle: © bonnontawat - Fotolia

Einäscherung im buddhistischen Krematorium | Bildquelle: © bonnontawat – Fotolia

 

Unser ganzes Dasein ist flüchtig wie Wolken im Herbst; Geburt und Tod der Wesen erscheinen wie Bewegung im Tanz. Ein Leben gleicht dem Blitz am Himmel, es rauscht vorbei wie ein Sturzbach den Berg hinab.

Buddha

„Otsuya“ – Die Totenwache

Zunächst wird der Körper des Toten bis zu 3 Tage im Haushalt der Familie aufgebahrt. In dieser Zeit darf der Leichnam nicht berührt werden, da Buddhisten der Überzeugung sind, so die Sterbevorgänge zu stören. Der Verstorbene wird gewaschen und in das „shini shozoku“, ein spezielles, weißes Totengewand gekleidet. Äußerst wichtig ist zudem, dass der Kopf nach Norden zeigt, da dies die Richtung ist, in die auch Buddha blickte. Deshalb wird auch im Alltag darauf geachtet, dass der Kopf beim Schlafen nicht nach Norden zeigt, da sich viele Japaner sonst beim Schlafen nicht sicher fühlen.

Traditionell werden dem Toten sechs Münzen zur Seite gelegt, mit denen die Fahrt über den Fluss der Unterwelt bezahlt werden soll. Als nächstes trägt ein buddhistischer Mönch die wichtigsten buddhistischen Texte vor, während Räucherstäbchen abgebrannt werden. Der Verstorbene wird dann die ganze Nacht lang von seiner Familie während der Totenwache („otsuya“) betrauert. Der Tradition nach spricht währenddessen der älteste Sohn die Gebete. Immer öfter wird heutzutage jedoch die Totenwache stark verkürzt und die Gebete werden von einem Bestattungsunternehmer gesprochen.

„Sōgi“ – Die Trauerfeier

Am folgenden Tag versammeln sich Verwandte und Bekannte im Haus des Verstorbenen zu einer Trauerfeier. Jeder Gast bringt hierfür kleine Geschenke in Form von Räucherwerk, Opfergaben und dem „okoden“, dem Beitrag für Räucherstäbchen in Form von Geldgeschenken, mit. Da die Beerdigungszeremonie recht kostenintensiv werden kann, sind diese Geldbeträge ziemlich hoch. Sie sollen helfen, die Kosten für die Bestattung und Trauerfeier zu tragen. Es ist üblich, die Hälfte des Betrags am Ende der Trauerzeit wieder zurückgeschenkt zu bekommen.

„Kotsuage“ – Die Beisetzung

Nach der Trauerfeier wird der Tote in einem Holzsarg eingeäschert. Die Hitze darf nicht zu stark sein, da zumindest ein Teil der Knochen erhalten bleiben soll. Diese werden von den engsten Angehörigen mit langen Bambusstäben aufgenommen, weitergereicht und in die Urne gelegt. Weil sich dabei die Bambusstäbe berühren, ist es ansonsten tabu, Essen mit Essstäbchen direkt weiterzureichen oder die Stäbchen des Nachbarn zu berühren. Nach diesem Ritual werden die Teilnehmer symbolisch mit Salz gereinigt und nehmen die Urne für 35 Tage mit nach Hause. Dort werden Räucherstäbchen angezündet. Die Gesamtheit der Rituale dient dazu, den Toten aus der Welt der Lebenden zu entfernen, da der Tod an sich als unrein gilt. Die Trauerzeit nach buddhistischer Tradition beträgt 49 Tage. Dies ist die Zeit, die die verstorbene Seele braucht, um ihre Reise ins Jenseits hinter sich zu bringen, wobei sie spirituelle Unterstützung durch die Angehörigen bekommt.

In Japan ist es üblich, dass ein Familiengrabstein die gesamte Familie repräsentiert. Die individuellen Vornamen werden oft gar nicht oder nur auf der Rückseite eingraviert. Vor einigen Jahren tauchten die ersten Grabsteine mit QR-Code auf, der Informationen über den Verstorbenen enthält, die mit einem Smartphone gelesen werden können.

 

Bestattungen im Modernen Japan

Natürlich befindet sich auch die sehr traditionsbewusste japanische Gesellschaft im Wandel. Gerade in den Städten ist oft kaum Zeit und Platz für die vielen traditionellen Riten. Hier kümmern sich häufig Bestattungsunternehmen um den Ablauf der Bestattung und die Organisation der Trauerfeier. Abhängig vom Wohnort, dem Glauben der Angehörigen und der finanziellen Situation werden die Bestattungen dann mehr oder weniger streng nach buddhistischen Regeln vorgenommen.

Seit der liberalen Gesetzgebung nach dem zweiten Weltkrieg in Japan gibt es eine große Anzahl an neuen Religionen. Im Jahr 2006 wurden über 180.000 Religionsgemeinschaften gezählt, die meist eine Mischung traditioneller Elemente aus verschiedenen Religionen beinhalten. Mittlerweile sind ca. 1% der japanischen Bevölkerung Christen.

 

Buddhistischer Tempel in Japan | Bildquelle: © Luciano Mortula-LGM - Fotolia.com

Buddhistischer Tempel in Japan | Bildquelle: © Luciano Mortula-LGM – Fotolia.com

Zusammenfassung

Traditionelle buddhistische Bestattungen in Japan laufen in vielerlei Hinsicht anders ab als christliche Beerdigungen. 95% der Verstorbenen werden verbrannt und in einer Urne beigesetzt. Außerdem wird der Leichnam bis zu drei Tage im Haushalt der Familie aufgebahrt, bevor er eingeäschert wird. Da der Tod im Buddhismus mit Verunreinigung in Verbindung steht, ist der Prozess der spirituellen Reinigung des Verstorbenen und der Angehörigen sehr wichtig. Nach buddhistischer Tradition hat die verstorbene Seele die Reise ins Jenseits nach einer 7-wöchigen Trauerzeit der Angehörigen überwunden und kann als neue Seele weiterleben.

Sollten Sie sich für Bestattungsrituale anderer Kulturen interessieren, schauen Sie gerne in unserem Blog vorbei. In unserem Online-Shop finden Sie außerdem eine große Auswahl an stilvollen Grabsteinen zu guten Preisen.

 

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    Author bei Stilvolle Grabsteine

    Franziska Blüm

    Redakteur

    Über den Author

    Franziska Blüm (22) ist Studentin der Kommunikationswissenschaft und Anglistik an der Friedrich-Schiller Universität Jena.

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